Bisherige Preisträger

Lebenswerk Heimatmuseum

Er war 40 Jahre lang Museumsleiter des Heimatmuseums Salzhaus in Mellrichstadt und für dessen Auf- und Ausbau quasi alleinverantwortlich: Die Rede ist von Rudolf Mauder. Im Mai dieses Jahres legte er sein Lebenswerk in die Hände seines Nachfolgers Tobias Bachmann. Aus diesem Anlass und als Würdigung seiner großen Verdienste um unsere Heimat(-Geschichte) wurde Rudolf Mauder vom Streutal-Journal die Auszeichnung „Streutaler des Jahres 2023“ verliehen. Die Übergabe der Trophäe fand natürlich im Salzhaus statt – dort, wo unser diesjähriger Preisträger im Jahre 1983 damit begann, aus einer losen Sammlung altertümlicher Gegenstände ein Heimatmuseum aufzubauen.

Der langjährige Museumsleiter führt uns in die Museumsscheune zu einem seiner Lieblingsorte: „Die Schmiede ist für mich das Authentischste überhaupt. So hat es früher ausgesehen, so eng war es wirklich. Wenn die Pferde beschlagen wurden, standen sie deshalb sogar draußen auf der Hauptstraße.“ Anlässlich der Auszeichnung „Streutaler des Jahres“ blickt Rudolf Mauder auf seine Anfänge im Salzhaus zurück. Der damalige Mellrichstädter Bürgermeister Oskar Herbig sammelte im leerstehenden Salzhaus altertümliche Gegenstände aus Mellrichstadt und Umgebung. Auf Einladung des Bürgermeisters und Wolfgang Hippelis besichtigte Grundschullehrer Rudolf Mauder einmal die Sammlung. Wie er schmunzelnd zugibt, nahm er dabei den Mund etwas zu voll: „Das ist keine Sammlung, sondern eine Rumpelkammer“, fiel sein Urteil aus. Oskar Herbig konterte augenzwinkernd: „Ihr Schulmeister mit eurem Halbtagsjob – das wäre doch was für dich!“ Dem damals 41-jährigen Rudolf Mauder lag die Heimat schon immer sehr am Herzen und so willigte er ein.

Streutaler des Jahres 2023

>> Ich bin derjenige, dem – so glaube ich – das Museum über all die Jahre
die meiste Freude gemacht hat! <<
Rudolf Mauder

Im ersten Schritt verschaffte er sich einen Überblick und sortierte dabei gleich die unbrauchbaren Gegenstände aus. Die restlichen Exponate wurden nach verschiedenen Themenbereichen sortiert. So entstand nach und nach der Kaufladen, die Backstube oder das historische Schulzimmer – alles mit viel Liebe fürs Detail. Denn es war Rudolf Mauder immer ein Herzensanliegen, in all seinen Ausstellungen den Bezug zum damaligen Leben herzustellen. So könnte man etwa bei Betrachtung der Schmiede denken, dass gerade eben noch am Amboss gearbeitet wurde, sich jeden Moment die Türe öffnet und der Schmied in verrußter Lederschürze zu seiner Arbeitsstätte zurückkehrt.

Rudolf Mauder arbeitete sich in die alten Handwerke ein, erlernte den richtigen Umgang mit den traditionellen Werkzeugen und ließ während seiner Praxisvorführungen die Geschichte lebendig werden. Wurde beim Dreschen im wahrsten Sinne des Wortes „geflachst“, demonstrierte der „Herr Lehrer“ im historischen Schulunterricht, wie streng es anno dazumal im Klassenzimmer zuging, als man an Stelle eines Kugelschreibers noch Federkiel und Tinte zum Schreiben verwendete.

Trophäe 2023

Von Tag eins an erhielt Rudolf Mauder große Unterstützung von seiner Ehefrau Heidrun, die er als seine „wichtigste Mitarbeiterin und Beraterin“ bezeichnet. „Hier war es schöner als zuhause im Wohnzimmer“, schmunzelt Heidrun Mauder, die bei unserer kleinen Feierstunde ebenfalls dabei ist. 125.000 Besucher, 9.000 Schulklassen – es sind beeindruckende Zahlen aus den vergangenen vier Jahrzehnten. „Fremde kamen, Freunde gingen“, blicken die Mauders auf unzählige positive Begegnungen zurück. Hieraus schöpften sie auch immer wieder die nötige Kraft, um sich mit so viel Herzblut um „ihr“ Heimatmuseum zu kümmern.

„Wir hatten immer die Sorge, dass es einmal keinen Nachfolger geben wird“, erklären Rudolf und Heidrun Mauder. Umso größer war die Freude, als sie erfuhren, dass der 42-jährige Tobias Bachmann, der sogar gleich nebenan wohnt, großes Interesse am Mellrichstädter Heimatmuseum hatte. „Ich wollte mich gerne im Salzhaus engagieren und wurde dann gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, die Museumsleitung zu übernehmen“, erklärt er im Gespräch. Das Salzhaus sei ein wichtiges Museum, da es Einblicke in die Vergangenheit hier in unserer Heimat gewähre. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit fand am 7. Mai 2023 im Rahmen des Museumsfestes die offizielle Amtsübergabe statt. „Rudolf Mauder steht mir aber nach wie vor mit seiner Erfahrung zur Seite“, ist Tobias Bachmann dankbar.

In 40 Jahren des unermüdlichen Einsatzes rund um das Heimatmuseum Salzhaus hat Rudolf Mauder schon so einige Auszeichnungen erhalten, darunter den Kulturehrenbrief des Bezirks Unterfranken, den Ehrenamtspreis des Landkreises Rhön-Grabfeld und sogar die Ehrenbürgerwürde der Stadt Mellrichstadt. Nun ist der „Streutaler des Jahres 2023“ hinzugekommen. „Wir verleihen dir, lieber Rudolf, diese Auszeichnung für dein Lebenswerk. Es gibt vermutlich keine Schulklasse aus dem Streutal, die in den letzten Jahrzehnten nicht bei dir im Salzhaus zu Besuch war. Was du hier gemeinsam mit deiner Frau Heidrun in dieser langen Zeit aufgebaut hast, ist beeindruckend – dafür gebührt dir, gebührt euch beiden unser größter Respekt“, so die Geschäftsführer des Streutal-Journals, Andreas Will und Ralph Rautenberg, in ihrer Laudatio. „Ich freue mich, dass meine Arbeit so vielseitig anerkannt wird“, unterstreicht Rudolf Mauder dankbar. „Ich bin derjenige, dem – so glaube ich – das Museum über all die Jahre die meiste Freude gemacht hat!“

David Hauck

Streutal-Journal
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